Wer rastet, der rostet

Bild: M. Großmann, pixelio.de
Bild: M. Großmann, pixelio.de

 sagt der Volksmund und doch wird der gut gemeinte Rat des Arztes „sich zu schonen“ häufig missinterpretiert.

Denn Haushalt, Einkäufe und all die anderen Verpflichtungen machen sich schließlich nicht von alleine. Wo also mit der Schonung anfangen?

Und hier fällen viele eine fatale Entscheidung: Sie geben ihren Sport auf, denn er widerspricht ja offensichtlich dem Schonungsprinzip.

 

Und beim Staubsaugen, Einkaufen, Putzen, der Gartenarbeit usw. bewegt man sich schließlich auch.

Aber Bewegung ist eben nicht gleich Bewegung.

Ein Beispiel: Stellen sie sich vor, wie Sie Staubsaugen. Der Fuß geht einen kleinen Schritt vor, wieder zurück. Der eine (!!) Arm schwingt vor, wieder zurück. Zwischendurch bücken wir uns, um auch unter Sofa, Bett und Schrank zu kommen, bewegen dafür wieder den einen Arm, drehen den Rumpf dabei in eine Richtung – die andere bleibt außen vor, denn sonst müssten wir den anderen Arm nehmen, der das gar nicht kann, weil wir eben Rechts- oder Linkshänder sind.

Die Gelenke werden in der immer gleichen Weise bewegt, das sie umgebende Gewebe ebenso.

 

Wir schwitzen, jedoch leider nicht, weil wir unser Herz durch eine moderate Belastung zur Arbeit anregen, sondern weil unser vegetatives Nervensystem über den Sympathikus Stresssignale aussendet. Allein die innere Haltung, dass es nervt, dass man so schlecht in die hinteren Ecken, an die oberen Fenster und unter den Bettspalt kommt, lässt den Blutdruck steigen. Unser Schwitzen ist also vielmehr eine Flucht- , Ärger- und Angstreaktion, als eine positive Herausforderung.

 

Bild: Stefan Bayer, pixelio.de
Bild: Stefan Bayer, pixelio.de

Es ist verständlich, dass man danach geschafft ist. Und mancher spürt vielleicht genau das Gelenk, das schon die ganze Zeit diese Probleme macht – und deshalb ist jetzt Schonung angesagt.

Dabei wäre es viel empfehlenswerter, jetzt eine Runde um den Block zu gehen, frische Luft zu tanken und die Stresshormone abzulaufen, bzw. das Gelenk durch Ausgleichsbewegungen zu entlasten. Die Faszien wieder geschmeidig zu machen, statt sie in diesem verspannten Zustand zu belassen.

 

 

 

Wenn man sich vor Augen führt, zu welchen Bewegungen ein Gelenk ursprünglich fähig ist, und wie minimal der Spielraum ist, den wir ihm in unserem täglichen Leben zumessen, haben Sie einen guten Ansatz, wie eine schmerzlindernde und gelenkfreundliche Bewegung aussehen kann.

 

Nehmen wir z.B. unser Schultergelenk. Von den 100% zu denen es durch seitliche, rückwärtige, nach oben gerichtete Bewegungen fähig wäre, nutzen wir im Alltag durchschnittlich 2%.

 Ja, richtig gelesen, 2% von 100!

Das bedeutet, dass 98% unseres Gewebes verhärtet, verfilzt, verkürzt wird. Durch die Verkürzung wird unser Gelenkspalt kleiner, was irgendwann in einer Arthrose enden kann.

 

Und weil die Rezeptoren, die für unsere Körperwahrnehmung zuständig sind, spüren, dass da was falsch läuft, schicken sie ein Alarmsignal an unser Gehirn: 

Bild: tokamuwi, pixelio.de
Bild: tokamuwi, pixelio.de

Befeuert wird das Ganze noch dadurch, dass in unserem Bindegewebe auch alle peripheren Nerven enden. Das sind die Nerven, die außerhalb des Gehirns und Rückenmarks liegen. Für uns bedeutet das, dass auch von hier Schmerzsignale gesendet werden.

 

Zwei Wege also mit einem Ergebnis: AUA!

 

Wenn man diesen Mechanismus einmal verstanden hat wird klar, wieso Schonung im Sinne von „ich sollte das mit dem Sport sein lassen“ keine Option ist.

Vielmehr wäre ein konstruktiver Ansatz, physiologisch stressige Bewegungen zu reduzieren.

Die Welt geht nicht unter, wenn ich nur jeden zweiten Tag Staub sauge. Die gewonnene Zeit ist sinnvoller für Armkreise, Wirbelsäulenrotation, Beckenschaukel und Beinschwingen genutzt.

 

Für alle, die sagen, dass sie nach der Arbeit keine Energie mehr für Sport haben: Eine Haltestelle früher aus der U-Bahn steigen, das Auto 1km vor der Haustür bereits abstellen und den restlichen Weg zügig zu Fuß zurück legen oder ganz auf´s Rad umzusteigen, beim Spülen oder Zähneputzen zehn Mal Zehenstand, Hüftstrecker oder Beinrotation sind Alternativen, die man als minimalstes Minimum auch bei einem vollen Terminkalender hin bekommt.

 

Wenn Ihnen die Motivation fehlt sich alleine über einen längeren Zeitraum in Bewegung zu bringen, schauen Sie nach Bewegungsangeboten in Ihrer Umgebung. Dann haben Sie auch direkt eine Leitung vor Ort, die im Blick hat, dass Sie den größtmöglichen Gewinn aus Ihrer neuen Betätigung ziehen.

 

Es ist Ihr Körper, also nutzen Sie die Gelegenheit für Ihre Lebensqualität aktiv zu werden, denn um Thomas Schuler zu zitieren:

„Es genügt nicht im Leben zu stehen, man muss sich auch darin bewegen"